Herkommen. Ceremonie. 89
Man muß bisweilen, eine Gewohnheit ablegen,wenn es der Gebrauch verlanget, weil man sich sonstlächerlich machen würde. Aber ob gleich das alte Herskommen bisweilen lacherlich ist, so können sich doch ver.schiedene Ursachen finden, warum man dabei verbleibenmuß.
Das Wort Brauch, ist von Gebrauch gar nichtunterschieden, sondern kommt damit völlig überein, esist auch schon einiger Maaßen veraltet, und man bedie.uet sich desselben nur noch in einigen Redensarten, Z. B.Nach dem alten Brauch, nach ritterlichem Brauch,und dergleichen, wo aber allemal Gebrauch dafür sie-hen könnte. Die vorgesetzte Syllbege, ist hier, wie inmehreren anderen Wörtern, bloß eine rednerische Ver.langerung. So sagt man jetzt Geruch, anstatt daß dieAlten öfters nur Ruch sagten, wie es auch noch in derBibel gefunden wird. Z. B. Hohe Lied Sal. 2, v. iz.Die Weinsiöcke haben Augen gewonnen, und geben ih-ren Ruch. Hos. 14, v. 7. Und soll Ruch geben wieLibanon, u. a. m. Imgleichen Genick für !7lick:Genau für nau, gering für ring, u. s. w. Oder sieist von dem Präterita des Verbi beibehalten worden, wo-von das Wort herkommt, wie im Gedicht, Gemalsde, und dergl. S. Frisch N)örterb. von der Sylbege.
Beide, Pachter im Gloßar, und Frisch imWörterbuche, nehmen daher Brauch und Gebrauch,für eiuerleibedeutend an, und Hr. Adelung sagt.Brauch sey im Hochdeutschen veraltet, und durch daszusammengesetzte Gebrauch verdränget worden.
Auch das Wort Ceremonie kann Hieher gerechnetwerden. Es gehöret unter diejenigen auslandischenWörter, welche durch den häufigen Gebrauch in unsereSprache sind aufgenommen worden. Wir haben es,wie die Franzosen das Wortccremsme, von dem latei-
F 5 nischen