Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Sprache. Rede. 175

64. Sprache. Rede.

aS ein ganzes Volk redet, ist die Sprache desselben.Wenn man gewiß« Wörter einer Sprache zusam-men setzet, und dadurch andern seine Gedanken zu verste-hen giebt, so macht solches die Hede aus.

Die Sprache bestehet eigentlich in den Thonen, wcl.che man mit dem Munde hervorbringet, und welche ge-wisse Sachen bedeuten. Die Rede bestehet darum, daßman durch die Verbindung virler Wörter, einen vernünf-tigen Sinn heraus bringe, und dadurch andern, den Zu-sammenhang seiner Gedanken bekannt mache.

Die deutsche, die polnische, die französische Sprache,sind diejenigen Thöne oder Wörter, deren sich die Deut»schen, die Polen, die Franzosen , als Zeichen ihrer Gedan-ken bedienen. Eine deutsche, eine polnische, eine frauzö.sische Rede, ist die Verbindung vieler solchen Wörter, ineiner gewissen Ordnung, worin dieselben demjenigen, wel-cher die Sprache verstehet, einen deutlichen Sinn geben.

Eine Sprache ist lieblich, wenn sie viel sanfte Thö-ne hat, welche auf ein? angenehme Weise, in die Ohrenfallen. Eine Rede ist lieblich, wenn dadurch das Ge-müth und das Herz, auf eine angenehme Weise gcrühretwird. Eine Sprache, welche der einen Völkerschaftlieblich ist, kann der andern hart vorkommen; Aber eineRede, kann in allen Sprachen lieblich seyn. Col.4, 6.Eure Rede sey allezeit lieblich.

Die Sprache ist ihm vergangen: Er hat die Spra-che verlohren, heißt so viel: Er hat das Vermögen ver-lohien, diejenigen Thöne hervorzubringen, durch welcheman die Sachen auszudrücken pflegt. Er ist in der Redestehen geblieben, heißt: Er hat sich auf dasjenige nichtbesinnen können, was er sagen wollte. Er hat seineSprache, oder seine Muttersprache vergessen, heißt:Er hat die Wörter vergessen, welche in seiner Sprache

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