Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Verehren. Bescheren. 119

her, welches theilen bedeutet, wird aber jeHo gemeinig-lich nur von Gott gesagt, und ist besonders denen Wohl-thaten gewidmet, welche uns die göttliche Vorsehung zu-fließen laßt.

Geben wird ganz allgemein, fast von allen Dingengebraucht, welche wir einem andern zukommen lassen.Wir geben den Zoll und den Schoiz an die Obrigkeit.Wir geben den Armen. Wir geben unseren Bedien,ten ihren lohn. Wir geben unseren Kindern, was sienöthig haben«

Mittheilen ist viel eingeschränkter. Nur den Ar-men, und denen, die unseres UeberflusscS benöthigetsind, können wir mittheilen.

Schenken können wir höheren als wir sind, oderunseres gleichen, oder auch germgeren. Manschenket bisweilen eine Seltenheit, in das Cabinet einesVornehmeren. Man schenket jemand von seines Glei-chen, eine Sache, welche ihm angenehm ist. Manschenket auch geringeren eine Sache, welche sie brau-chen können, und die uns eben nicht nöthig ist, und der-gleichen.

Bisweilen ist das Geschenk, eine ausserordentlicheBelohnung geleisteter Dienste, bisweilen soll es nur eineAufmunterung seyn, bisweilen wollen wir uns dadurchjemand verbindlich machen, bisweilen schenken wir etwaszum Andenken, wobei man sich unserer erinnern soll.

Ost ist das Geschenk mit einer gewissen Ehre ver-knüpft. Ein Lehrer schenket einem fleißigen Schüler einBuch, welches ihm nicht nur zur Aufmunterung dienet,sondern ihm auch bei seinen Mitschülern Ehre macht. Undbei vielen Gelegenheiten, ist das Geschenk eines Gros-sen , dem Geringeren eine Ehre. Daher kommt es, daßdie gemeinen Leute, anstatt des Worts schenken, ge-nieiniglich das W»rt verehren, zu gebrauchen pflegen.Er hat mir das verehret. Sonst ist das Wort verch-

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