Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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!Z2 Wachsen. Zunehmen.

92. Wachsen, Zunehmen.

er eigentliche Unterschied zwischen diesen Wärtern be-stehet darin, daß Sachsen besonders von solchenDingen gesagt wird, welche durch die Nahrung grösserwerden; Zunehmen hingegen, die Vergrößerung einerSache bedeutet, welche daher entstehet, wenn von dersel-bigen Gattnng, etwas hinzugethan wird. In folgendenRedensarten wird dieser Unterschied genau beobachtet,

Ein Kind wächset, und das Mittel seines Wachs,thums ist die Nahrung, welch? es zu sich nimmt. DieBaume und Pflanzen wachsen, durch den Sast und dieNahrung, welch? sie aus der Erde ziehen. Je mehr derAcker gedünget wird, desto besser wachsen die Früchte,weil sie mehrere Nahrung bekommen. Man sagt voneinem Menschen, er wachse zwei und zwanzig, bis vierund zwanzig Jahr in die 5änge, hernach in die Dicke,Hingegen: Der Geldhaufen eines Geizigen nimmt zu,weil er oft ein mehreres beilegt, und mehr Geld hinzuthut. Je mehr Einkünfte wir haben, desto mehr nimmyunser Vermögen zu. Ein Kornhaufen auf dem Bodennimmt zu, wenn in der Scheune viel zu dreschen ist,welches nach und nach heraufgebracht, und zu dem vo-rigen hinzugethan wird.

Einige Redensarten aber, gehen ganz von dieser Be-deutung ab. Z. E. Von einem Menschen, welcher durcheine langwierige Krankheit ganz mager geworden ist, undhernach durch die Nahrung seine vorige Dicke, nach undnach wieder bekommen hat, sagt man nicht, er ist wiedergewachsen, sondern: Er hat wieder zugenommen.Allein hier wird has Wort zunehmen, in einem unei-gentlichen Verstände gebraucht, es heißt so viel, alsdicker, fetter, oder starker werden. So sagt man auchvon einem Kinde: Es nimmt zu, öderes hat gut zu-genommen, wenn es fetter und dicker geworden ist.