Gottesfurcht. Gottseeligkeit. Frömmigkeit. 171
ger Mensch sich allezeit scheuet, Böses zu thun, und allesvollbringet, wodurch er Gott zu gefallen gedenket, so beob-achtet er alle Pflichten der Religion, er thut alles, was erGott, dem Nächsten, und sich selber schuldig ist, daherbegreifen wir unter der Gottesfurcht, bisweilen allePflichten des Menschen, die ganze Religion. So wirddieseöWort, sehr oft in der Bibel gebraucht: Pf.m, 10.Die Furcht des Herr»,, ist der Weisheit Anfang.Pred. Sal. 12, iz. Die Hauptsumma aller jehre ist:Fürchte Gorr, und halte seine Gebote.
Auf gleiche Weise, weil der Fromme alle diese Pflich-ten, mit besonderem Eifer vollbringet, so nennen wirFrömmigkeit, in einem weitläufigen Sinn, eine sorg-faltige und genaue Beobachtung, alles dessen, was dieReligion lins vorschreibt. Und in eben dem Verstände,wird auch das Wort Gotrfceligkcir, bisweilen genom-men, weil eben aus der Vollbringung, aller, von Gottbefohlnen, Pflichten, das Vergnügen unddieGlückfkilig-keit entstehet, welche man in dem Umgange und der Ge-meinschaft mit Gott genieffet. In solchem weitläuftigenVerstände, werden diese Wörter oft eins für das anderegebraucht. Gorresfurchrig, fromm, gotrseeliI seyn,heißt, Gott dienen und alle Pflichten der Religion er-füllen.
Das Wort Frömmigkeit, wird auch bisweilen sehreingeschränket, und nur bloß auf die Pflichten des Gottes-dienstes erstrecket. Man sagt; Ein Mensch ist fromm,wenn er fleißig betet, dem öffentlichen Gottesdienste bei-wohnet, das Wort Gottes liefet, und dergleichen. Indieser Beziehung , hat die Frömmigkeit etwas von derAndacht an sich, und sie kann heuchlerisch, oder aufrichtigseyn. Jene nimmt nur den Schein an, diese kommt ausgutem Herzen her.
107. Aw