Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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214 Uneinigkeit. Zwist. Zwistl'gkcit.

Zwist kommt her von zwei, und bedeutet eine Unei-nigkeit, die nur unter Zweien, oder doch nur unter zweiPartheien ist.

Zwistigkcit kommt her von Zwist, und stehet auf dieGemüthsbesthassenheir, und widrige Gesinnung, derer,welche in Uneinigkeit leben.

Zwietracht, auf ihr Betragen gegen einander.

Zwiespalt, auf eine Absonderung oderTrennung.

Nnshalligkeit, auf eine Uneinigkeit in Worten undReden.

Das Wort Uneinigkeit ist sehr allgemein, es be-greift die andern größtentheils in sich, und wird sowohlvon der Gesinnung, als von der That selber gebraucht.Diese Nachbaren leben in Uneinigkeit, zeiget an, daßsie nicht nur widrig gesinnet sind, sondern sich auch allerleizuwider lthun.

Zwist, scheinet einen geringeren Grad derUneinig--keic anzuzeigen. Freunde können in einer Sache, einenZwist mir einander haben, sie leben aber deswegen nichtin Uneinigkeit. Der Zwist machet sie zwar in einerSache uncins, aber es ist noch keine Uneinigkeit unterihnen.

Die Uneinigkeit kann nicht nur unter zweien, son-dern auch unter vielen, der Zwist nur allein unter zweienseyn, und wenn man von mehreren sagt: Sie leben inZwist mit einander, so begreift doch dieses Wort in sich,daß sie nur in zwei Partheien getheilet sind. Man kannz. E. sagen: Zwischen derHofparrhei und dem Parlementin Engelland, ist ein Zwist entstanden. Hingegen, wenneine Stadt in viel Partheien getheilet wäre, die alle ins-gesammt, verschiedener Ursachen wegen, in keinem gutenVerständnisse, mit einander lebeten, so würde man nichtsagen müßen: Die Einwohner dieser Stadt leben inZwist; Sondern man müßte sagen: Sie leben in Un-einigkeit.