Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Zwietracht. Zwiespalt. Michatligkeit. 215

Zwistigkeit, beziehet sich aufdie Gemüthsbeschaffen-heit derer, welche einen Zwist mit einander haben. Z.E.Wenn man saget: Sie leben in Zwist mit einander, sobeziehet sich diese Redensart, mehr aufden Zwist und dieU,icmigkelt selbst. Hingegen, wenn man sager: Sieleben in Zwistigkeit, so beziehet es sich mehr auf dieGcmuthsversassung, daß sie widriggesinnet sind. DaßJacob den Esau um den Segen seines Vaters gebrachthatte, erweckte einen Zwist, oder eine gewisse Uneinigkeit,unter diesen Brüdern, nnd hernach waren sie beständigin Zwistigkeit, das ist, sie waren allczeicwidriggcsi'.mct.

Die Etymologie des Wortes Zwietracht, welchesvon Tragen herkommt, zeiget genugsam an, daß esbesonders auf das Betragendererjenigen sehe, welchemUneinigkeit leben, oder einen Zwist mit einanderhaben. Sie leben in Zwietracht, oder sie sind inZwietracht, das heißet, sie betragen sich so gegenein-ander, wie diejenigen zu thun pflegen, die in keinemguten Verständniste leben, nehmlich, sie beweisen sichkeine Gefälligkeit, und suchen wohl gar einer dem ander«zu schaden.

Zwiespalt kommt her von Spalten, und begreift«ine Absonderung oder Trennung dcrerjenigen in sich, wel-che vorher sind vereiniget gewesen. Es ist cin?wu'!palcunter diesen Freunden entstanden, das ist, da sie vorhergenau mit einander verbunden waren, so sind sie nun ge-trennet. Sie leben in Zwiespalt, das ist, sie habensich voneinander abgesondert oder getrennet, einer willnichts mehr mit dein andern zuthun haben. Man saqecauch: Ei» Zwiespalt in Meinungen, wenn zwei in ih-ren Meinungen weit von einandee abgehen.

Hall und Hallen ist so viel als Schall und Schal-len. Daher saget man: Ein llViederhall, und auch:Ein YAederschall. Mishalligkeir, würde also derEtymologie nach, einen LIAslauc bedeuten, und man

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