Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

Betrübt. Leid. Herzeleid. 267

Wenn man sagt: Dieser Mensch ist traurig, sosiehet man bloß auf seine Gemüthsbeschaffenheit, oder aufdie Traurigkeit selbst, die er empfindet, ohne dabei ebenvorauszusetzen, daß ihm ein Unglück begegnet sey. Hin»gegen wenn man sagt: Dieser Mensch ist betrübe, sosiehet man zugleich auf die Sache, welche ihn betrübemacht, man sehet voraus, daß ihm etwas widriges, oderunglückliches zugestoßen sey.

Die Traurigkeit, findet sich bisweilen bei einemMenschen, ohne daß er dazu wirkliche Ursach hatte, under ist dabei nicht eben betrübt, sondern nur niedergeschla-gen. Die Betrübniß rühret allemal von einer Ursachher, und hat ein erlittenes Unglück zum Grunde. Manbetrübet sich über das Elend seines Vaterlandes, überden Verlust seiner Güter, über den Tod solcher Personen,die uns vor andern lieb sind, und dergleichen, insoweitals wir diese Zufalle, für ein wirkliches Unglück halten.

Man brauchet daher das Wort Betrübniß zuweilenvon der Sache selbst, welche Traurigkeit erwecket, dasWort Traurigkeit aber nicht. So sagt man, z. B.Die Betrübniß, welche ihm den kurzen Rest seines Le.bens bitter machte, war der Tod seiner Ehegattinn.Svrüchw. 17,25. Ein narrischer Sohn, istein Betrüb-niß seiner Mutter, die ihn gebohren hat. Auf solcheWeise aber, ist das Wort Traurigkeit nicht gebrauch,lich. Man wird nicht sagen: Die Traurigkeit, welcheihm sein iebcn bitter »nachte, war der Tod seiner Ehe-gattinn: oder: Ein närrischer Sohn ist eine Traurigs.keit seiner Mutter.

Man sagt: Sich der Traurigkeit entschlagen: DieTraurigkeit aus dem Sinne schlagen: Einem melan-cholischen Menschen, die Traurigkeit des Gemüths,durch allerlei Ergetzungcn vertreiben. Aber ich glaubenicht, daß man sagen werde: Die Betrübniß aus demSinne schlagen: Die Betrübniß eines Menschen durch

Erg«.