268 Traurigkeit. Betrübniß. Traurig.
Ergehungen vertreiben, und die Ursach davon, scheinetmir eben darinn zu liegen, weil man sich wirklich derTraurigkeit des Gemüths eutfchlagen, und sie, wenig-stens eine Zeit lang vertreiben kann, wena man das Ge-mürh mit angenehmen und ergehenden Gegenstanden be-schafftiget. Die Betrübniß hingegen, weil sie ein wirk-licheö Unglück zum Grunde hat, nicht anders vertriebenwerden kann, als durch Wegnehmung des Unglücksselbst.
Die Beiwörter traurig und betrübt, kommen inder Bedeutung mit ihren Hauptwörtern überein. Trau-rige Gedanken kann man alle diejenigen nennen, welchedas Gemüth beunruhigen, und ihm seine Heiterkeit rau.ben. Betrübte Gedanken, sind solche, welche entwe-der durch ein wirkliches Unglück, oder durch die Vor-stellung und Befürchtung desselben verursachet werden.
Wenn man zu jemand sagt: Was machst du dir fürtraurige Gedanken? So kann dieses, bloß überhauptso viel sagen: Warum hangest du solchen Gedankennach, welche nur dein Gemüth beunruhigen. Wennman sagt: Was machest du dir für betrübte Ge-danken? so ist dieses viel starker, es giebt zu verstehen,daß der andere solche Gedanken habe, die ihm entweder,ein gehabtes Unglück größer vorstellen, als es in der Thatist, oder welche ihm ein Unglück befürchten lassen, daser sich doch nur selten einbildet.
Zuweilen werden diese Beiwörter, von der Sacheselbst gebraucht, welche Traurigkeit oder Betrübnißerwecket. Man sagt: Eine traurige, und auch; Ei-ne betrübte Begebenheit. Er hat eine traurige, undauch, er hat eine betrübte Veränderung des Glücks er-fahren, das letzte aber ist doch starker als das erste.
Wir haben L.eid, sowohl, wenn wir selbst ecwas un-rechtes gethan haben, da wir sagen: Es ist uns leid;Als auch, wenn uns von einem andern ein Unrecht ist an-gethan