Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Abscheu. Haß. Widersmmgkekt. Widerwille. 365

und lViderwille, haben allezeit eine Beleidigung, oderetwas, das un6 zuwider gethan ist, zum Grunde.

Wir haben Abscheu, an gewissen Lastern und Un-tugenden, die uns vor andern zuwider sind: An solchenMenschen, welche dergleichen Laster und Untugenden ansich haben, und deren Anfführung und ganze Lebensart,der unsrigen entgegen stehet. An einem ungcstaltenWurm, dessen Eigenschaften eine widrige Empfindungbei uns erwecken, u. s. w.

Wir hassen, oder haben Haß gegen dasjenige, wo-durch uns etwas Böses geschiehet. Die Beleidigungen,welche uns jemand angethan hat, erwecken unseren Haß,wir suchen gemeiniglich ihm ebenfalls alles zuwider zuthun, und wir hasse» die Laster, in soweit, als sie unsund anderen Menschen schädlich sind.

Eine Ungleichheit in der Gemüthsöeschaffenheit, etwasbesonderes in der Gestalt und Gesichtsbildung eines Men-schen, ja oft so etwas, wovon wir nicht einmal sagen ton-nen, was es sey, ist der Grund einer N>idersiuniI.keic, welche bei uns entstehet. Der erste Anblick einesMenschen, den wir gar nicht kennen, der uns niemals et-was zuwider gethan hat, erreget doch oft eine^Vidersm-nigkeit bei uns, ohne daß wir sagen könnten, woher die-ses komme.

Gewisse geringe Beleidigungen, welche wir von je-mand empfangen haben: Ein Mangel der Achtung, dieer unseren Gedanken nach hätte haben sollen: Eine Höf-lichkeitsbezeigung, welche er gegen uns unterlassen, derVorzug, welchen er einem andern vor uns gegeben hat,und welchen wir uns zu verdienen einbilden, und derglei-chen , erwecket unseren Widerwillen. Wir hassen ihneben nicht, und thun ihm nichts Böses; Aber wir sindihm doch zuwider, seine Gesellschaft ist uns unangenehm,wir werden ihm bei aller Gelegenheit widersprechen, oder

sonst