Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Z96 Ehrliche. Ehrbegierde. Ehrgeiz.

Daher werden diese beiden Wörter, Recht und Ge-rechtigkeit, auch mit einander verknüpft. Man sagt:Nach Recht und Gerechtigkeit handeln: Recht undGerechtigkeit ausüben, und man zeigetdadurch an, daßman nicht nur die Tugend der Gerechtigkeit selbst, sondernauch die Gesetze und Gebrauche des Landes beobachte,und sich allem demjenigen gemäß verhalte, was dadurchverordnet ist.

2zZ. Ehrliebe. Ghrbegierde. Ehrgeiz.Ehrsucht. Ruhmbegierde.

in Verlangen und eine Bemühung, Ehre und Vor-züge zu erhalten, wird durch diese Wörter ausge-druckt, und ist der Hauptbegriff, welchen sie mit einandergemein haben: Sie steigen aber staffelwcise, das eine iststärker, und giebt auch andere Nebenbegriffe, als dasandere.

Wie die Liebe überhaupt, ein Vergnügen ist, welchesman aus den Vollkommenheiten einer Sache schöpfet, undein Verlangen dieselbe zu besitzen, so scheinet auch dasWort Ehrliche, besonders das Vergnügen anzuzeigen,welches man in der Besitzung solcher Dinge oder solcherVorzüge findet, welche uns Ehre zuwege bringen, undein Verlangen derselben theilhastig zu werden.

Die Ehrhcgicrde gehet weiter, sie bestehet in ei-nem heftigen Verlangen nach solchen Dingen, welche unswirkliche Vorzüge und Ehre bei anderen verschaffen kön-nen.

Der Ehrgeiz gehet noch weiter, und wie der Geld-geiz eine zu weit getriebene Begierde nach Reichthum ist,so ist auch der Ehrgeiz eine zu weit getriebene Begierdenach Ehre, die da macht, daß man nur immer sich überandere erheben will, und ein Vergnügen darin findet, vonihnen gcehret zu werden, man mag solcher Ehre würdigseyn, oder nicht.

Das