Ehrsucht. Ruhmbegierde. Z97
Das Wort Sucht, kommt her, von siechen, Seu-che, und wird verschiedenen Krankheiten beigeleget. Ehr-sucht scheiner also der Etymologie nach, gleichsam eineKrankheit der Seele, oder etwas fehlerhaftes in der Be-gierde nach Ehre anzuzeigen; Und man nennet Ehrsucht,eine solche heftige Begierde nach Ehre, welche dem Men-schen keine Ruhe laßt, sondern ihn immer antreibt, nachmehrerer Ehre zu trachten, und alle mögliche Mittel dazuzu gebrauchen.
Die Ehrliebe und Ehrdegierde, sind löblich, undwenn man diese Wörter ohne Zusatz gebraucht, haben sieallemal einen guten Verstand. Im gegenseitigen Falle,pfleget man es durch ein Beiwort, oder Umschreibung an-zuzeigen. Eine falsche, eine übertriebene Ehrliebe oderEhrbegierde, und dergl. Ehrgeiz und Ehrsucht,haben einen nachtheiligen Verstand, sie drücken allemaletwas übertriebenes in der Begierde nach Ehre aus, unddas letzte ist der höchste Staffel davon.
Der Ehrliedende, liebet die Ehre, und suchet sie inrechtmäßigen und guten Dingen: Er findet ein Vergnü-gen in solchen Handlungen, welche ihm eine wahre Ehreverschaffen können, und hütet sich vor allem, was ihn der-selben könnte verlustig machen.
Der Ehrbegierige, thut eben das; Aber sein Ver-langen nach Ehre ist starker, es treibet ihn mit mehrererHeftigkeit zu solchen Handlungen, welche ihm Vorzügekönnen zu Wege bringen.
Der Ehrgeizige, schätzet die Ehre allzuhoch, ersu-chet nur sich zu erheben, und Vorzüge zu erlangen, ohnesich darum zu bekümmern, ob er sie verdienet ho.be odernicht. Alle seine Reden und Handlungen, sind dahin ge-richtet, anderen eine große Meinung von sich, seinen Ver-diensten, Vorzügen, Geschicklichkeiten u. s.w. beizubrin-gen, und er laßt nicht gern etwas gegen sich thun, odervon sich reden, wodurch er die gute Meinung, welche an-
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