Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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4-?6 Lehren. UnterwciM. Unterrichteil.

Dieser Unterschied scheinet durch d!e Etymologie be-stätiget zu werden, indem Unterweisen von rveisc, '.vci-sen, wissen herkommt. Die Alten sagten weis lna--chcn, für wissen machen, belehren, Nachricht gebe»;So stehet im Thcuerdank:

Eap.iz. So will ich solchs mit allem Fleis

Meiner Frawen der Künigin machenweis.

Es scheinet also mehr aus das bloße Wissen, und dieKenntniß einer Sache zu sehen, welche jemanden beige-bracht wird. Unterrichten hat seinen Ursprung vonRechr, richtig, richten; im Gothischen ist ?cilriZeie. Man sagt ausrichten, einrichten, verrich»ten, u. s. w. Pahcr scheinet unterrichten, znglcich be-sonders auf die Anwendung der Erkenntniß zu sehen, daß' man jemanden darum eine Kenntniß beibringe) damit erwisse, was er thun soll.

Man muß selbst eins gründliche Erkenntniß haben,wenn man andere Ichren will. Man muß eine gute Lehr»ort und Ordnung halten, wenn man unterweisen will.Man muß sich das Zutrauen, und die Liebe dercrjenigenerwerben, welche man unterrichten will.

Manche wollen schon lehren, was sie selbst noch ler»neu müssen. Wenn man keine gute Lchrart und Ordnungim Unterweisen hat, so wird man seinen Schülern nie»malS eine gründliche Erkenntniß der Wissenschaften bei-bringen, sondern sie werden nur unordentliche und dunkleBegriffe davon erlangen. Wenn wir die Zuneigung undLiebe dererjemgen nicht haben, welche wir unterrichten,so werden sie unsern Unterricht nicht annehmen, sondernoft uns zum Verdruß, sich ganz anders verhalten, alswir es ihnen vorgeschrieben haben.

?4Z. Härre.