Leedig. Lccr.
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was nicht beladen, oder mit nichts beschweret ist. Dahersagt man auch, ledig von Banden oder Ketten, das ist,mit keinen Ketten oder Banden, mehr beschweret oderbeladen. Der ledige Stand, ist der ehelose Stand,weil man darin nicht mit so vielen Sorgen, beladen oderbeschweret ist.
Leer, ist ein Stammwort, wovon ausleeren her«kommt, und wird nur von den Gesäßen gebraucht, wel«che nichts in sich enthalten.
Man würde also sagen müssen: Ein lediger Wagen,wenn er nicht beladen ist: Ein lediges Pserd, wenn esnichts traget: Ein lcdiger Tisch, wenn nichts daraufgeseßet ist- Ein lediger Stuhl, wenn niemand daraufsitzet, oder nichts darauf gelcget ist, was ihn beschwerer,u. s.w. Hergegcn: Ein leeres Glas, eine leere Tonne,ein leerer Beutel, wenn in solchen Gesässen nichts ent.halten ist.
In einigen Provinzen von Deutschland , wird dieserUnterschied ziemlicher Massen beobachtet: In andern hin-gegen, wird das Wort L.edig, sehr oste, an statt leergebraucht. Es scheinet, als ob man die Gefasse, wennsie voll sind, gleichsam als beladen ansehe, sodaßsie durchdie Ausleerung ihrer last entlediget werden, und daherkommt es, baß man in dem gemeinen Umgange, auchsagt: Ein lediges Glas, eine ledige Tonne, ein ledi-ger Beutel.
Hier hat also der Gebrauch, blos diesen Unterschiedeingeführet, daß das Wort L.edig allgemeiner ist: Leer hingegen, nur auf folche Dinge eingeschränket wird, wel-che etwas in sich fassen und enthalten können.
Man kann nicht sagen: Ein leeres Pferd, ein leesrer Wagen, ein leerer Tisch, sondern muß davon dasWort Ledig brauchen. Von den Befassen aber, undsolchen Dingen, welche etwas in sich enthalten, sagtmanbeides: Ein leeres und ein lediges Glas, eine leere
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