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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Critik der ästhetischen UrcheilSkraft. 7

sondern in diesem Betracht ganz gleichgültig seyn, umin Sachen des Geschmacks den Richter zu spielen.

Wir können aber diesen Satz, der von vorzüglicherErheblichkeit ist, nicht besser erläutern, als wenn wir demreinen uninteressirten *) Wohlgefallen im Geschmacks-urtheile dasjenige, was mit Interesse verbunden ist, ent-gegensetzen : vornehmlich wenn wir zugleich gewiß seynkönnen, daß es nicht mehr Arten des Interesse gebe, alsdie eben jetzt namhaft gemacht werden sollen.

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Das Wohlgefallen am Angenehmen ist mitInteresse verbunden.

Angenehm ist das, was den Sinnen in

der Empfindung gefällt. Hier zeigt sich nun so-fort die Gelegenheit, eine ganz gewöhnliche Verwechse-lung der doppelten Bedeutung, die das Wort Empfin-dung haben kann, zu rügen und darauf aufmerksam znmachen. Alles Wohlgefallen (sagt oder denkt man) istselbst Empfindung (einer Lust). Mithin ist alles, was

') Ein Urtheil über einen Gegenstand des Wohlgefallens kannganz munleressirr, aber doch sehr interessant seyn, d. i.cs gründet sich auf keinem Interesse, aber es bringt cinJn-tcrcsse hervor; dergleichen sind alle reine moralische Urtheile.Aber die Geschmacksurtheile begründen an sich auch gar keinInteresse. Nur in der Gesellschaft wird es interessant,Geschmack zn haben, wovon der Grund in der Folge ange-zeigt werden wird.

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