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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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8 Erster Theil.

gefallt, eben hierin, daß es gefallt, angenehm (undnach den verschiedenen Graden oder auch Verhältnissenzu andern angenehmen Empfindungen anMUthig,lieblich, ergötzend, erfreulich u. s. w). Wird aber

das eingeräumt, so sind Eindrücke der Sinne, welchetue Neigung, oder Grundsatze der Vernunft, welche denWillen, oder bloße reflectirte Formen der Anschauung,welche die Urtheilskraft bestimmen, was die Wirkung aufdas Gefühl der Lust betrift, ganzlich einerley. Denn diesewäre die Annehmlichkeit in der Empfindung seines Zu-standes; und, da doch endlich alle Bearbeitung unsererVermögen aufs Practifche ausgehen und sich darin alsin ihrem Ziele vereinigen muß, fo könnte man ihnen keineandere Schätzung der Dinge und ihres Werths zumu-then, als die in dem Vergnügen besteht, welches sie ver-sprechen. Auf die Art, wie sie dazu gelangen, kömmtes am Ende gar nicht an; und da die Wahl der Mit-tel hierin allein einen Unterschied machen kann, sokönnten Menschen einander wohl der Thorheit und desUnverstandes, niemals aber der Niederträchtigkeit undBosheit beschuldigen: weil sie doch alle, ein jeder nachseiner Art die Sachen zu sehen, nach einem Ziele laufen,welches für jedermann das Vergnügen ist.

Wenn eine Bestimmung des Gefühls der Lust oderUnlust Empfindung genannt wird, so bedeutet dieserAusdruck etwas ganz anderes, als wenn ichdieVorstel-lung einer Sache (durch Sinne, als eine zum Erkennt-