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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Cntik der ästhetischen Urtheilskraft. 19

schränke. Daher ist er es gern zufrieden, daß, wenn ersagt: der Canarienfect ist angenehm, ihm ein andererden Ausdruck verbessere und ihn erinnere, er solle sagen:

er ist Mir angenehm; und so nicht allein im Geschmackder Zunge, des Gaumens und des Schlundes, »vudernauch in dem, was für Augen und Ohren jedem angenehmseyn mag. Dem einen ist die violette FtNbc sanft undlieblich, dem andern todt und erstorben. Einer liebt denTon der Blasinstrumente, der andre den von den Sai-teninstrumenten. Darüber in der Absicht zu streiten umdas Urtheil anderer, welches von dem unfrigen verfchie-.den ist, gleich als ob es diesem logisch entgegen gefetztwäre, für unrichtig zu schelten, Ware Thorheit; in Au-sehung des Angenehmen gilt also der Grundsatz: eil!

jeder hat seinen eigenen Geschmack (der Sinne).

Mit dem Schonen ist es ganz anders bewaudt. Eswäre (gerade umgekehrt) lächerlich, wenn jemand, dersich auf seinen Geschmack etwas einbildete, sich damit zurechtfertigen gedachte: dieser Gegenstand (das Gebäudewas wir sehen, das Kleid was jener trägt, das Con-cert was wir hören, das Gedicht welches zur Beur-theilung aufgestellt ist) ist für Mich schön. Denn ermuß es nicht schön uennen, wenn es bloß ihm gefällt.Reiz und Annehmlichkeit mag für ihn Vieles haben,darum bekümmert sich niemand; wenn er aber etwasfür schön ausgiebt, so murhet er andern eben das-selbe Wohlgefallen zu: er urtheilt nicht bloß für sich,

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