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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
39
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Crmk der ästhetischen Urtheilskraft. Z9§. i4.

Erläuterung durch Beyspiele.

Zlesthetische Urtheile können, eben sowohl als theo-retische (logische), in empirische und reine eingetheiltwerden. Die ersten sind die, welche Annehmlichkeitoder Unannehmlichkeit, die zweyten die, welche Schön-heit von einem Gegenstände, oder von der Vorstcllungs-art desselben, aussagen; jene sind Sinnenurtheile (ma-teriale ästhetische Urtheile), diese (als formale) alleineigentliche Geschmacksurtheile.

Ein Geschmacksurtheil ist also nur sofern rein, alskein bloß empirisches Wohlgefallen dem Bestimmungs-grunde desselben beygcmischt wird. Dieses aber geschiehtallemal, wenn Reiz oder Rührung einen Antheil andem Urtheile haben wodurch etwas für fchön erklartwerden soll.

Nt'ü thun sich wieder manche Einwürfe hervor, diezuletzt den Reiz nicht bloß zum nothwendigen Ingrediensder Schönheit, sondern wohl gar als für sich allein hin-reichend, um schön genannt zu werden, vorspiegeln.Eine bloße Farbe, z. B. die grüne eines Nasenplatzes,ein bloßer Ton (zum Unterschied vom Schalle und Ge-räusch), wie etwa der einer Violine, wird von den Mei-sten an sich für fchön erklart; ob zwar beide bloß die Ma-terie der Vorstellungen, nehmlich lediglich Empfindung,zum Grunde zu haben scheinen, und darum nur ange-

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