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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
40
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4v Erster Theil.

nehm genannt zu werden verdienen. Allein man wirbdoch zugleich bemerken, daß die Empfindungen derFarbe sowohl als des Tons sich nur sofern für schönzu gelten berechtigt halten, als beide rein sind: wel-ches eine Bestimmung ist die schon die Form betrift, undauch das einzige, was sich von diesen Vorstellungen mitGewißheit allgemein mittheilen läßt: weil die Qualitätder Empfindungen selbst nicht in allen Subjecten als ein-stimmig, und die Annehmlichkeit einer Farbe vorzuglichvor der andern, oder des Tons eines musikalischen In-struments vor dem eines andern, sich schwerlich bey je-dermann als auf solche Art beurtheilt annehmen laßt.

Nimmt man, mit EulN'tt, an: daß die Farbengleichzeitig auf einander folgende Schlage (pnllus) desAethers, so wie Töne der im Schalle erschütterten Luftsind, und, was das vornehmste ist, das Gemüth nichtbloß, durch den Sinn, die Wirkung davon auf die Be-lebung des Organs, sondern auch, durch die 5X-7exion,das regelmäßige Spiel der Eindrücke (mithin die Formin der Verbindung verschiedener Vorstellungen) wahr-nehme (woran ich doch gar nicht zweifle); so würdenFarbe und Ton nicht bloße Empfindungen, sondern schonformale Bestimmung der Einheit eines Mannichfaltigenderselben seyn, und alsdann auch für sich zu Schönheitengezählt werden können.

Das Reine aber einer einfachen Empfindungsartbedeutet: daß die Gleichförmigkeit derselben durch keine