Crilik der ästhetischen Urtheilskrast. 4>
fremdartige Empfindung gestört und unterbrochen wird,und gehört bloß zur Form; weil man dabey von derQualität jener Empfindungsart (ob, und welche Farbe,oder ob, und welcher Ton sie vorstelle) absirahircn kann.Daher werden alle einfache Farben, sofern sie rein sind,für schön gehalten; die gemischten haben diesen Vorzugnicht: eben darum, weil, da sie nicht einfach sind, mankeinen Maaßstab der Beurtheilung hat, ob man sie reinoder unrein nennen solle.
Was über die dem Gegenstande seiner Form wegenbeygelegte Schönheit, sofern sie, wie man meynt, durchReiz wohl gar könnte erhöht werden, anlangt, fo ist diesein gemeiner und dem ächten unbestochenen gründlichenGeschmacke sehr nachtheiligcr Irrthum; ob sich zwarallerdings neben der Schönheit auch noch Reize hinzufü-gen lassen, um das Gemüth durch die Vorstellung desGegenstandes, außer dem trockenen Wohlgefallen, nochzu interessiren, und so dem Geschmacke und dessen Culturzur Anpreisung zu dienen, vornehmlich wenn er noch rohund ungeübt ist. Aber sie thun wirklich dem Geschmacks-urtheile Abbruch, weun sie die Aufmerksamkeit alsBeurtheilungsgründe der Schönheit auf sich ziehen.Denn es ist so weit gefehlt, daß sie dazu beytrügen,daß sie vielmehr, als Fremdlinge, nur sofern sie jeneschöne Form nicht stören, wenn der Geschmack nochschwach und ungeübt ist, mit Nachsicht müssen aufge-nommen werden.
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