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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
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Cntik der ästhetischen Urtheilskraft. 4z

gefallen an der Form abgeben, sondern weil sie dieseletztere nur genauer, bestimmter und vollständiger an»schaulich machen, und überdem durch ihren Reiz dieVorstellung beleben, indem sie die Aufmerksamkeit aufden Gegenstand selbst erwecken und erhalten.

Selbst was man Zierrathen (Parerga) nennt, d. i.dasjenige, was nicht in die ganze Vorstellung des Gegen-standes als Bestandstück innerlich, sondern nur äußerlichals Zuthat, gehört und das Wohlgefallen des Geschmacksvergrößert, thut dieses doch auch nur durch seine Form:wie Einfassungen der Gemälde, oder Gewänder an Sta-tuen, oder Sänlengange um Prachtgebäude. Besiehtaber der Zierrath nicht selbst in der schonen Form, ist er,wie der goldene Rahmen, bloß um durch seine» Reiz dasGemälde dem Beyfall zu. empfehlen angebracht; so heißter alsdann Schmuck, und thut der ächten SchönheitAbbruch.

Rührung, eine Empfindung, wo Annehmlichkeitnur vermittelst augenblicklicher Hemmung und darauferfolgender stärkerer Ergießung der Lebenskraft gewirktwird, gehört gar nicht zur Schönheit. Erhabenheit (mirwelcher das Gefühl der Rührung verbunden ist) abererfordert einen andern Maaßstab der Beurtheilung, alsder Geschmack sich zum Grunde legt; und so hat ein rei-nes Geschmacksurtheil weder Reiz noch Rührung, mit eKnem Worte keine Empfindung, als Materie des ästheti-schen Urtheils, zum Besiimmungsgrunde.