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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Erster Theil.

§. 15-

Das GeWmacksurtheil ist von dem Begriffeder Vollkommenheit ganzlich unabhängig.

Die ooiecNVe Zweckmäßigkeit kann nur vermit-telst der Beziehung des Mannichfaltigen auf einen be-stimmten Zweck, also nur durch einen Begrif, erkanntwerden. Hieraus allein schon erhellet: daß das Schöne,dessen Beurtheilung eine bloß formale Zweckmäßigkeit,d. i. eine Zweckmäßigkeit ohne Zweck, zum Grunde hat,von der Vorstellung des Guten ganz unabhängig fei),weil das letztere eine objective Zweckmäßigkeit, d. i.die Beziehung des Gegenstandes auf einen bestimmtenZweck, vorausfetzt.

Die objective Zweckmäßigkeit ist entweder die äußere,d. i. die Nützlichkeit, oder die innere, d. i. die Voll-kommenheit des Gegenstandes. Daß das Wohlgefal-len an einem Gegenstande, weshalb wir ihn schon nen-nen, nicht auf der Vorstellung feiner Nützlichkeit beruhenkönne, ist aus beiden vorigen Hauptstückcn hinreichendzu ersehen: weil es alsdann nicht ein unmittelbaresWohlgefallen an dem Gegenstande seyn würde, welchesletztere die wesentliche Bedingung des Urtheils überSchönheit ist. Aber eine objective innere Zweckmäßigkeit,d. i. Vollkommenheit, kommt dem Prädikate der Schön-heit schon näher, und ist daher auch von namhaften Phi-losophen, doch mit dem Beysatze, wenn sie VMvor-