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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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46 Erster Theil.

es seyn solle) giebt, für sich, ganz und gar keine objec-tive Zweckmäßigkeit zu erkennen; weil, da von diesemEinem als Zweck (was das Ding seyn solle) abstrahirtwird, nichts als die subjective Zweckmäßigkeit der Vor-stellungen im Gemüthe des Anschauenden übrig bleibt,welche wohl eine gewisse Zweckmäßigkeit des Vorstcllungs-zustandeö im Subject, und in diesem eine Behaglichkeitdesselben eine gegebene Form in die Einbildungskraftaufzufassen, aber keine Vollkommenheit irgend einesObjects., das hier durch keinen Begrif eines Zwecks ge-dacht wird, angiebt. Wie z. V., wenn ich im Walde einenRasenplatz antreffe, um welchen die Baume im Cirkelstehen, «mV ich mir dabey nicht einen Zweck, nchmlich daßer etwa zum ländlichen Tanze dienen solle, vorstelle,nicht der mindeste Begrif von Vollkommenheit durchdie bloße Form gegeben wird. Eine formale objectiveZweckmäßigkeit aber ohne Zweck, d. i. die bloße Formeiner Vollkommenheit (ohne alle Materie undBegrif von dem wozu zusammengestimmt wird, wennes auch bloß die Idee einer Gesetzmäßigkeit überhauptwäre) sich vorzustellen, ist ein wahrer Widerspruch.

Nun ist das Geschmacksurtheil ein ästhetisches Ur-theil, d. i. e>n solches, was auf subjectiven Gründenberuht, und dessen Bestimmungsgrund kein Begrif, mit-hin auch nicht der eines bestimmten Zwecks seyn kann.Also wird durch die Schönheit, als eine formale sub-jective Zweckmäßigkeit, keinesweges eine Vollkommen-