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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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47
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 47

heit des Gegenstandes, als vorgeblich-formale gleich-wohl aber doch objective Zweckmäßigkeit gedacht; undder Unterschied zwischen den Begriffen des Schonenund Guten, als ob beide nur der logischen Form nachunterschieden, die eiste bloß ein verworrener, die zweyteein deutlicher Vegrif der Vollkommenheit, sonst aber deinInhalte und Ursprünge nach einerley waren, ist nichtig:weil alsdann zwischen ihnen kein specisischer Unterschied,sondern ein Geschmacksurtheil eben so wohl ein Erkennt-nißurtheil wäre, als das Urtheil wodurch etwas fürgut erklärt wird; so wie etwa der gemeine Mann, wenner sagt: daß der Betrug unrecht sey, sein Urtheil aufverworrene, der Philosoph auf deutliche, im Grundeaber beide auf einerley Vernunft-Principien gründen»Ich habe aber schon angeführt, daß ein ästhetisches Ur-theil einzig in seiner Art sey, und schlechterdings kein Er-kenntniß (auch nicht ein verworrenes) vom Object gebe,welches letztere nur durch ein logisches Urtheil geschieht ;da jenes hingegen die Vorstellung, wodurch ein Objectgegeben wird, lediglich auf das Subject bezieht, und keineBeschaffenheit des Gegenstandes, sondern nur die zweck-mäßige Form in der Bestimmung der Vorstellungskräfte,die sich mit jenem beschäftigen, zu bemerken giebt. DasUrtheil heißt auch eben darum ästhetisch, weil der Be-stimmungsgrund desselben kein Begrif, sondern das Ge-fühl (des innern Sinnes ) jener Einhelligkeit im Spieleder Gemüthskrafte ist, sofern sie nur empfunden werden