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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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69
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Critik der ästhetischen Urcheilökraft. 69

eines Gegenstandes in Beziehung auf die freye Seseymas-slgd'eit der Einbildungskraft sey. Wenn nun im Geschmack«,urtheile die Einbildungskraft in ihrer Freyheit betrachtet wer-den muß, so wird sie erstlich nicht rcprodueriv, wie sie denAssoeiattouSgcsetzen unterworfen ist, sondern als producrivund selbstthätig (als Urheberinn willkürlicher Formen mögli-cher Anschauungen) angenommen; und, ob sie zwar bey derAuffassung eines gegebenen Gegenstandes der Sinne an einebestimmte Form dieses Objects gebunden ist und sofern keinfreyes Spiel (wie im Dichten) hat, so laßt sich doch nochwohl begreifen: daß der Gegenstand ihr gerade eine solcheForm an die Hand geben könne, die eine Zusammensetzungdes Mannichfaltigen enthält, wie sie die Einbildungskraft/wenn sie sich selbst frey überlassen wäre, in Einstimmungmit der Versiandesgeftrzmäßigr'eit überhaupt entwerfenwürde. Allein daß die Einbildungskraft frey und doch vonselbst gesetzmäßig sey, d. i. daß sie eine Autonomie bey sichführe, ist ein Widerspruch. Der Verstand allein giebt dasGesetz. Wenn aber die Einbildruigskraft nach einem bestimm-ten Gesetze zu verfahren genöthigt wird, so wird ihr Pro.-duet, der Form nach, durch Begriffe bestimmt, wie es seynsoll; aber alsdann ist das Wohlgefallen, wie oben gezeigt,nicht das am Schönen, sondern am Guten (der Vollkom-menheit, allenfalls bloß der formalen), und das Urtheil istkein Urtheil durch Geschmack. Es wird also eine Gesetz-mäßigkeit ohne Gesetz, und eine subjeccive Übereinstimmungder Einbildungskraft zum Verstände, ohne eine objeetive, dadie Vorstellung auf einen bestimmte» Vegrif von einem Ge-genstände bezogen wird, mir der freyen Gefetzmäßigkeit desVerstandes .(welche auch Zweckmäßigkeit ohne Zweck gcnmmtworden) und mit der Eigenthümlichkeit eines Geschmacks-Urtheils allein zufammen bestehen können.

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