Cririk der ästhetischen Urteilskraft. ' 71
Fall im Gcschmacksurthcile nicht ist, waches wenn eö reinist, Wohlgefallen oder Mißfallen, ohne Rücksicht auf denGebrauch oder einen Zweck, mit der bloßen Betrachtungdes Gegenstandes unmittelbar verbindet.
Die Regelmäßigkeit, die zum Begriffe von einem Ge<genstande führt, ist zwar die unentbehrliche Bedingungscon-Iit.io Hiiö ciua non), den Gegenstand in eine einzigeVorstellung zu fassen und das Mannichfaluge in der Formdesselben zu bestimmen. Diefe Bestimmung ist ein Zweckin Ansehung der Erkenntniß; und in Beziehung auf diefe, istsie auch jederzeit mit Wohlgefallen (welches die Bewirtungeiner jeden auch bloß problematifchen Absicht begleiter) ver-bunden. Es ist aber alsdann bloß die Billigung der Auflöfu>,gdie einer Aufgabe Genüge thut, und nicht eine freye und un-bestimmt- zweckmäßige Unterhaltung der Gemüthskräfre mitdem was wir fchön nennen, und wobey der Verstand derEinbildungskraft und nicht diese jenem zu Diensten ist.
An einem Dinge, das nur durch eine Absicht möglichist, einem Gebäude, selbst einem Thier, muß die Regel-mäßigkeit, die in der Symmetrie besteht, die Einheit derAnschauung auedrücken, welche den Begrif des Zwecks be-gleitet, und gehört mit zum Erkenntnisse. Aber wo nur einfreyes Spiel der Vorstellungskräfte (doch unter der Bedin-gung, daß der Verstand dabey keinen Anstoß leide) unterhal-ten werden foll, in Lustgärten, Stubenverzieruug, allerleygeschmackvollem Gcrälhc u. d. gl., wird die Regelmäßigkeitdie sich als Zwang ankündigt, so viel möglich vermieden;daher der Englische Geschmack in Gärten, der Varockge-schmack an Möbeln, die Freyheit der Einbildungskraftwohl eher bis zur»Annäherung zum Grotesken treibt, undin dieser Absonderung von allem Zwange der Regel eben den
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