94 Erster Theil.
und dabey zugleich'die Unangemessenheit dieses im Fort-schreiten unbegranzten Vermögens wahrgenommen wird,ein mit dem mindesten Aufwande des Verstandes zurGrößenschätzung taugliches Grundmaaß zu fassen undzur Erößenschatzung zu gebrauchen. Nun ist das eigent-liche unveränderliche Grundmaaß der Natur das abso-lute Ganze derselben, welches, bey ihr als Erscheinung,zusammengefaßte Unendlichkeit ist. Da aber diesesGrundmaaß ein sich sclbst widersprechender Begrif ist(wegen der Unmöglichkeit der absoluten Totalitat einesProgrcssus ohne Ende); so muß diejenige Größe einesNatnrobjects, an welcher die Einbildungskraft ihr gan-zes Vermögen der Zusammenfassung fruchtlos verwen-det, den Begrif der Natur auf ein übersinnliches Sub-strat (welches ihr und zugleich unserm Vermögen zudenken zum Grunde liegt) führen, welches über allenNaaßstab der Sinne groß ist, und daher nicht sowohlden Gegenstand, als vielmehr die GemüthSstimmung inSchätzung desselben, als erhaben beurtheilen laßt.
Also, gleichwie die ästhetische Urtheilskraft in Be-urtheilung des Schönen die Einbildungskraft in ihremfreyen Spiele auf den Verstand bezieht, um mit dessenBegriffen überhaupt (ohne Bestimmung derselben) zu-sammenzustimmen ; so bezicht sich dasselbe Vermögen inBeurtheilung eines Dinges als Erhabenen auf dieVernunft, um zu deren Ideen (unbestimmt welchen)subjectiv übereinzustimmen, d. i. eine Gemüthsstimmung