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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 95

hervorzubringen, welche derjenigen gemäß und mit ihrvertraglich ist, die der Einfluß bestimmter Ideen (prac-tisther) auf das Gefühl bewirken würde. , ,

Man sieht hieraus auch, daß die wahre Erhaben-heit nur im Gemüthe des Urtheilenden, nicht in dem Na-turobjecte, dessen Beurtheilung diese Stimmung dessel-ben veranlaßt, müsse gesucht werden. Wer wollte auchungcsialte Gebirgsmassen, in wilder Unordnung übereinander gethurmt, mit ihren Eispyramiden, oder diedüstere tobende See, u. s. w. erhaben nennen? Aberdas Gemüth fühlt sich in seiner eigenen Beurtheilunggehoben, wenn, indem es sich in der Betrachtung der-selben, ohne Rücksicht auf ihre Form, der Einbildungs-kraft und einer obschon ganz ohne bestimmten Zweck da-mit in Verbindung gefetzten, jene bloß erweiterndenVernunft, überlaßt, die ganze Macht der Einbildungs-kraft dennoch ihren Ideen angemessen findet.

Beyspiele vom Mathematisch-Erhabenen derNaturin der bloßen Anschauung liefern uns alle die Falle, wouns nicht sowohl ein größerer Zahlbegrif, als vielmehrgroße Einheit als Maaß (zu Verkürzung der Zahlreihen)für die Einbildungskraft gegeben wird. Ein Baum, denwir nach Mannshöhe schätzen, giebt allensalls einenMaaßstab für einen Berg; und, wenn dieser etwa eineMeile hoch wäre, kann er zur Einheit für die Zahl,welche den Erddurchmesser ausdrückt, dienen, um denletzteren anschaulich zu machen: dec Erddurchmesser, für