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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
98
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98 Erster Theil.

nunst für klein zu schätzen; und, was das Gefühl dieserübersinnlichen Bestimmung in uns rege macht, stimmtzu jenem Gesetze zusammen. Nun ist dre größte Bestre-bung der Einbildungskraft in Darstellung der Einheitfür die Größenschatznng eine Beziehung auf etwasAbsolut-großes, folglich auch eine Beziehnng aufdas Gesetz der Vernunft, dieses allein zum oberstenMaaß der Größen anzunehmen. Also ist die innereWahrnehmung der Unangemessenheit alles sinnlichenMaaßstabes zur Grvßenschatzung der Vernunft eineÜbereinstimmung mit Gesetzen dersilben, und eine Un-lust, welche das Gefühl unserer übersinnlichen Bestim-mung in uns rege macht, nach welcher es zweckmäßig,mithin Lust ist, jeden Maaßstab der Sinnlichkeit denIdeen des Verstandes angemessen zu finden.

Das Gemüth fühlt sich in der Vorstellung des Er-habenen in der Natur bewegt: da es in dem ästheti-schen Urtheile über das Schöne derselben in ruhigerContcmplation ist. Diese Bewegung kann (vornehm-lich in ihrem Ansänge) mit einer Erschütterung vergli-chen werden, d. i. mit einem schnellwechselnden Abstoßenund Anziehen eben desselben Objects. Das Üeber-schwcngliche für die Einbildungskraft (bis zu welchemsie in der Auffassung der Anschauung getrieben wird) istgleichsam ein Abgrund, worin sie sich selbst zu verlierenfürchtet; aber doch auch für die Idee der Vernunft vomÜbersinnlichen, nicht überschwenglich, sondern gesetz-