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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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144
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144 Erster Theil.

Mäßigkeit, von welcher oben gezeigt ist, daß ihre Formin einer gegebenen Vorstellung die Schönheit des Gegen-standes derselben sey, in Beyspielen aus einander zusetzen. Also ist die Critik des Geschmacks selbst nur sub-jectiv, in Ansehung der Vorstellung, wodurch uns einObject gegeben wird: nehmlich sie ist die Kunst oderWis-senschast, das wechselseitige Verhältniß deF Verstandesund der Einbildungskrast zu einander in der gegebenenVorstellung (ohne Beziehung auf vorhergehende Empfin-dung oder Begrif), mithin die Einhelligkeit oder Miß-Helligkeit derselben, unter Regeln zu bringen, und siein Ansehung ihrer Bedingungen zu bestimmen. Sie istKunst, wenn sie dieses nur an Beyspielen zeigt; sie istWissenschaft, wenn sie die Möglichkeit einer solchenBeurtheilung von der Natur dieser Vermögen, als Er-kenntnlßvermögen überhaupt, ableitet. Mit der letzte-ren, als transscendentalen Critik, haben wir es hierüberall allein zu thun. Sie soll das subjective Principdes Geschmacks, als ein Princip a piloii. der Urtheils-kraft, entwickeln und rechtfertigen. Die Critik, alsKunst, sucht bloß die physiologischen (hier psychologi-schen) , mithin empirischen Regeln, nach denen der Ge-schmack wirklich verfahrt (ohne über ihre Möglichkeitnachzudenken) auf die Beurtheilung seiner Gegenständeanzuwenden, und rritistrt die Producte der schönen Kunst;so wie das Vermögen selbst, sie zu beurtheilen.

§. Z?.