i8o Erster Theil.
Denn wir könne» allgemein sagen, es mag die Na-tur- oder die Kunstschönheit betreffen: schön ij? das,
was in der bloßen Beurtheilung (nicht in der
Sinnenempfindung, noch durch einen Begrif) gefällt.Nun hat Kunst jederzeit eine bestimmte Absicht etwaShervorzubringen. Wenn dieses aber bloße Empfindung(etwas bloß subjectives) Ware, die mit Lust begleitet seynsollte, so würde dies Product, iu der Beurtheilung, nurvermittelst des Sumengefühls gefallen. Ware die Ab^ficht auf die Hervorbringung eines bestimmten Objectsgerichtet, so würde, wenn sie durch die Kunst erreichtwird, das Object nur durch Begriffe gefallen. Iu bei-den Fallen aber würde die Kunst nicht M der bloßenBeurtheilung, d. i. nicht als schone, sondern mecha-nische Kunst gefallen.
Also muß die Zweckmäßigkeit im Producte der schö-nen Kunst, ob sie zwar absichtlich ist, doch nicht absichtlichscheinen; d. i. schöne Kunst muß als Natur anzusehenseyn, ob man sich ihrer zwar als Kunst bewußt ist. AlsNatur aber erscheint ein Product der Kunst dadurch, daßzwar alle Püncllichkeit in der Übereinkunft mit Re-geln, nach denen allein das Product das werden kann,was es seyn soll, angetroffen wird; aber ohne Pein-lichkeit, ohne daß die Schulform durchblickt, d. i. ohneeine Spur zu zeigen, daß die Regel dem Künstler vorAugen geschwebt, und seinen Gemüthskraften Fesselirangelegt habe.