Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 179
Schöne Kunst dagegen ist eine Vorstellungsart, diefür sich selbst zweckmäßig ist, und obgleich ohne Zweck,dennoch die Cultur der Gemüthskräste zur geselligenMittheilung befördert.
Die allgemeine Mittheilbarkeit einer Lust führt esschon in ihrem Begriffe mit sich, daß diese nicht eine Lustdes Genusses, aus bloßer Empfindung, sondern der Re-flexion seyn müsse; und so ist ästhetische Kunst, als schöneKunst, eine solche, die die reflectirende Urtheilskraft undnicht die Sinnenempfindung znm Nichtmaaße hat.
§. 45«
Schöne Kunst ist eine Kunst, sofern siezugleich Natur zu seyn scheint.
An einem Producte der schönen Kunst muß man sichbewußt werden, daß es Kunst sey, und nicht Natur;aber doch muß die Zweckmäßigkeit in der Form desselbenvon allem Zwange willkürlicher Regeln so frey scheinen,als ob es ein Product der bloßen Natur sey. Auf diesemGefühle der Freyheit im Spiele unserer Erkenntnißver-mögen, welches doch zugleich zweckmäßig seyn muß, be-ruht diejenige Lust, welche allein allgemein mittheilbarist, ohne sich doch auf Begriffe zu gründen. Die Na-tur war schön, wenn sie zugleich als Kunst aussah; unddie Kunst kann nur schön genannt werden, wenn wiruns bewußt sind, sie sey Kunst, und sie uns doch alsNatur aussieht.
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