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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
178
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Z78 Erster Theil.

zur unmittelbaren Absicht, so heißt sie ästhetischeKunst. Diese ist entweder angenehme oder schöneKunst. Das erste ist sie, wenn der Zweck derselbenist, daß die Lust die Vorstellungen als bloße Empfin-dungen ; das zweyte, daß sie dieselben als ErköNNt-Nißatten begleite.

Angenehme Künste sind die, welche bloß zum Ge-nusse abgezweckt werden; dergleichen alle die Reize sind,welche die Gesellschaft an einer Tafel vergnügen können:als unterhaltend zu erzählen, die Gesellschaft in frey-müthige und lebhafte Gesprächigkeit zu versetzen, durchScherz und Lachen sie zu einem gewissen Tone der Lustig-keit zu stimmen, wo, wie man sagt, manches ins Gelaghinein geschwatzt werden kann, und niemand über das,was er spricht, verantwortlich seyn will, weil es nur aufdie augenblickliche Unterhaltung, nicht auf einen bleiben-den Stof zum Nachdenken oder Nachsagen, angelegtist. (Hiezu gehört denn auch die Art, wie der Tisch zumGenusse ausgerüstet ist, oder wohl gar bey großen Ge-lagen die Tafelmusik: ein wunderliches Ding, welches nurals ein angenehmes Geräusch die Stimmung der Gemü-ther zur Fröhlichkeit unterhalten soll, und, ohne daßjemand auf die Composition derselben die mindeste Auf-merksamkeit verwendet, die freye Gesprächigkeit einesNachbars mit dem andern begünstigt.) Dazu gehörenferner alle Spiele, die weiter kein Interesse bey sichführen, als die Zeit unvermerkt verlaufen zu machen.