Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

Critik der- ästhetischen Urtheilskraft. 177

schöne Kunst. Denn was die erstere betrist, so würdem ihr wissenschaftlich, d. i. durch Beweisgründe ausge-macht werden sollen, ob etwas für schön zu halten sey'oder nicht; das Urtheil über Schönheit würde also, wennes zur Wissenschaft gehörte, kein Geschmacksurtheil seyn.Was das zweyte anlangt, so ist eine Wissenschaft, die,als solche, schön seyn soll, ein Unding. Denn, wennman in ihr als Wissenschaft nach Gründen und Bewei«scn fragte, so würde man durch geschmackvolle Aus-sprüche (Bon-Mots) abgefertigt. Was den gewöhn-lichen Ausdruck, schöne Wissenschaften, veranlaßthat, ist ohne Zweifel nichts anders, als daß man ganzrichtig bemerkt hat, es werde zur schönen Kunst in ihrerganzen Vollkommenheit viel Wissenschaft, als z. B.Kenntniß alter Sprachen, Belefenheit der Autoren diefür Classiker gelten, Geschichte, Kenntniß der Alterthü-mer u. s. w. erfordert, und deshalb diese historischenWissenschaften, weil sie zur schönen Kunst die nothwen-dige Vorbereitung und Grundlage ausmachen, zumTheil auch weil darunter selbst die Kenntniß der Pro-dukte der schönen Kunst (Beredsamkeit und Dichtkunst)begriffen worden, durch eine Wortverwechftlung, selbstschöne Wissenschaften genannt hat.

Wenn die Kunst, dem Erkenntnisse eines mög-lichen Gegenstandes angemessen, bloß ihn wirklich zumachen die dazu erforderlichen Handlungen verrichtet,so ist sie mechanische; hat sie aber das Gefühl der LustRanrs Lrir. d. llrryeilskr. M