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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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176
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176 Erster Theil.

zwangsmaßig auferlegt werden kann. Ob in der Rang-liste der Zünfte Uhrmacher für Künstler, dagegen Schmie-de für Handwerker gelten sollen: das bedarf eines an-dern Gesichtspuncts der Beurtheilung, als derjenigeist, den wir hier nehmen; nehmlich die Proportion derTalente, die dem einen oder andern dieser Geschäftezum Grunde liegen müssen» Ob auch unter den soge-nannten sieben freyen Künsten nicht einige, die denWissenschaften beyzuzahlen, manche auch die mit Hand-werkern zu vergleichen sind, aufgeführt worden seynmöchten: davon will ich hier nicht reden. Daß aberin allen freyen Künsten dennoch etwas Zwangsmaßiges,oder, wie man es nennt, ein Mechanismus erforder-lich sey, ohne welchen der Geist, der in der Kunstfrei) sein muß und allein das Werk belebt, gar keinenKörper haben und ganzlich verdunsten würde: ist nichtunrathsam zu erinnern (z. B. in der Dichtkunst, dieSprachrichrigkeit und der Sprachreichthum, ungleichendie Prosodie und das Sylbenmaaß), da manche neuereErzieher eine freye Kunst am besten zu befördern glau-ben, wenn sie allen Zwang von ihr wegnehmen, und sieaus Arbeit in bloßes Spiel verwandeln. -

§. 44.

Von der schönen Kunst.

Es giebt weder eine Wissenfchaft des Schönen, son-dern nur Critik, noch schöne Wissenschaft, sondern nur

schöne