Critik der ästhetischen Urtheilokraft. 175
2) Kunst als Geschicklichkeit des Menschen wildauch von der Wissenschaft unterschieden (Könnenvon Wissen), als praktisches vom theoretischen Ver-mögen, als Technik von der Theorie (wie die Feldmeß-kunst von der Geometrie). Und da wird mich das, wasman kann, sobald man nur weiß was gethan werdensoll, und also nur die begehrte Wirkung genugsam kennt,nicht eben Kunst genannt. Nur das was man, wennman es auch auf das vollständigste kennt, dmnoch dar-um zu machen noch nicht sofort die Geschicklichkeit hat,gehört in so weit zur Kunst. Camper beschreibt sehrgenau, wie der beste Schuh beschaffen seyn müßte, aberer konnte gewiß keinen mächen *).
Z) Wird auch Kunst vom Handwerke unter-schieden; die erste heißt freye, die andere kann auchLohnkunst heißen. Man sieht die erste so an, als obsie nur als Spiel, d. i. Beschäftigung die für sich selbstangenehm ist, zweckmäßig ausfallen (gelingen) könne;die zweyte fo, daß sie als Arbeit, d. i. Beschäftigung diefür sich selbst unangenehm (beschwerlich), und nur durchihre Wirkung (z. B. den Lohn) anlockend ist, mithin
') In meinen Gegenden sagt der gemeine Mann, wenn manihm etwa eine solche Aufgabe vorlegt, wie Colnmbus mitseinem Ey: das ist keine Runst, es ist inrr eine Wissen-schaft. D. i. wenn man es weiß, so kann man es; undeben dieses sagt er von allen vorgebliche» Künsten desTaschenspielers. Die des Seiltänzers dagegen wird «rgar nicht in Abrede seyn, Kunst zu nennen.