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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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182
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.182 Erster Theil.

nach der sie ihr Product zu Stande bringen soll. Danun gleichwohl ohne vorhergehende Regel ein ProductNiemals Kunst heißen kann, so muß die Natur im Sub-jecte (und durch die Stimmung der Vermögen desselben)der Kunst die Regel geben, d. i. die schöne Kunst ist nurals Product des Genie's möglich.

Man sieht hieraus, daß Genie i) ein Talent fty^dasjenige, wozu sich keine bestimmte Regel geben laßt,hervorzubringen: nicht Geschicklichkeitsanlage zu dem,was nach irgend einer Regel gelernt werden kann; folg-lich daß Originalität seine erste Eigenschaft seyn müsse.2) Daß, da es auch originalen Unsinn geben kann, seineProducte zugleich Muster, d. i. exemplarisch seyn müs-sen; mithin, selbst nicht durch Nachahmung entsprungen,anderen doch dazu, d. i, zum Richtmaaße oder Regel derBeurtheilung, dienen müssen, z) Daß es, wie es seinProduct zu Stande bringe, selbst nicht beschreiben, oderwissenschaftlich anzeigen könne, sondern daß es alsNatur die Regel gebe; und daher der Urheber einesProducts, welches er seinem Genie verdankt, selbst nichtweiß, wie sich in ihm die Ideen dazu herbey finden, auches nicht in seiner Gewalt hat, dergleichen nach Beliebenoder planmäßig auszudcnken, und anderen in solchenVorschriften mitzutheilen, die sie in Stand setzen, gleich-Maßige Producte hervorzubringen. (Daher denn auchvermuthlich das Wort Genie von Zenws, dem eigen-thumlichen einem Menschen bey der,.GeburEmitgegebe-