Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 2)7
liegt, was als das übersinnliche Substrat der Mensch-heit angesehen werden kann.
Es kommt bey der Auflösung einer Antinomie nurauf die Möglichkeit an, daß zwey einander dem Scheinenach widerstreitende Satze einander in der That nichtwidersprechen, sondern neben einander bestehen können,wenn gleich die Erklärung der Möglichkeit ihres Bc-grifs unser Erkenntnißvermögen übersteigt. Daß dieserSchein auch natürlich und der menschlichen Vcrnuilstunvermeidlich sey, ungleichen warum er es sey undbleibe, ob er gleich nach der Auflösung des Scheinwider-spruchs nicht betrügt, kann hieraus auch begreiflich ge-macht we-den.
Wir nehmen nehmlich den Begrif, worauf die Allge-meingültigkeit eines Urtheils sich gründen muß, in bei-den widerstreitenden Urtheilen in einerley Bedeutung,und sagen doch von ihm zwey entgegengesetzte Pradicateaus. In der Thesis sollte es daher heißen: Das Ge-schmacksurtheil gründet sich nicht auf bestimmtenBegriffen; in der Antithesis aber: Das Geschmacks-urtheil gründet sich doch auf einem, obzwar unbe-stimmten, Begriffe (nehmlich vom übersinnlichen Sub-strat der Erscheinungen); und alsdann Ware zwischenihnen kein Widerstreit.
Mehr, als diesen Widerstreit in den Ansprüchenund Gegenansprüchen des Geschmacks zu heben, könnenwir nicht leisten. Ein bestimmtes objectives Princip