262 Erster Theil.
zulanglichkeit des Ausdrucks für die Idee, welche derBegrif selbst nicht erreicht, weil sie ästhetisch ist, unddurch scharfe Cntik, kann verhütet werden, daß die Bey-spiele, die ihm vorgelegt werden, von ihm nicht sofortfür Urbilder und etwa keiner noch höhern Norm und ei-gener Beurtheilung unterworfene Muster der Nachah-mung gehalten, und so das Genie, mit ihm aber auchdie Freyheit der Einbildungskraft selbst in ihrer Gesetz-mäßigkeit erstickt werde, ohne welche keine schöne Kunst,selbst nicht einmal ein richtiger sie beurtheilender eigenerGeschwack, möglich ist.
Die Propadevtik zu aller schönen Kunst, sofern esauf den höchsten Grad ihrer Vollkommenheit angelegtist, scheint nicht in Vorschriften, sondern in der Culturder Gemüthslrafte durch diejenigen Vorkenntnisse zu lie-gen, welche man Kuiusnior-l nennt: vermuthlich, weilHumanität einerseits das allgemeine Thellneh-MUNgögefÜhl, andererseits das Vermögen sich in-nigst und allgemein mittheilen zu können bedeutet;welche Eigenschaften zusammen verbunden die derMenscheit angemessene Glückseligkeit ausmachen, wo-durch sie sich von der thierischen Eingeschrarittheir un-terscheiden. Das Zeitalter sowohl, als die Völker, inwelchen der rege Trieb zur gesetzlichen Geselligkeit,wodurch ein Volk ein dauerndes gemeines Wesen aus--wacht, mit den großen Schwierigkeiten rang, welchedie schwere Aufgabe, Freyheit (und also auch Gleich-