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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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285
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Critik der theologischen Urtheilskraft. 285

fondern daß selbst ihr empirisches Erkenntniß, ihrer Ur-sache und Wirkung nach, Begriffe der Vernunft vor-aussetze. Diese Zufälligkeit seiner Form bey allenempirischen Naturgesetzen in Beziehung auf die Ver-nunft, da die Vernunft, welche an einer jeden Formeines Naturprodukts auch die Nothwendigkeit derselbenerkennen muß, wenn sie auch nur die mit seiner Erzeu-gung verknüpften Bedingungen einsehen will, gleich-wohl aber an jener gegebenen Form diese Nothwen-digkeit nicht annehmen rann, ist selbst ein Grund, dieCausalität desselben so anzunehmen, als ob sie ebendarum nur durch Vernunft möglich sey: diese aber istalsdann das Vermögen, nach Zwecken zu handeln (einWille); und das Object, welches nur als aus diesemmöglich vorgestellt wird, wurde nur als Zweck fürmöglich vorgestellt werden.

Wenn jemand in einem ihm unbewohnt scheinendenLande eine geometrische Figur, allenfalls ein reguläresSechseck, im Sande gezeichnet Wahrnahme; so wurdeseine Reflexion, indem sie an einem Begriffe derselbenarbeitet, der Einheit des Princips der Erzeugung dessel-ben, wenn gleich dunkel, vermittelst der Vernunft innewerden, und so, dieser gemäß, den Sand, das benach-barte Meer, die Winde, oder auch Thiere mit ihrenFußtritten, die er kennt, oder jede andere vernunftloseUrsache nicht als einen Grund der Möglichkeit einer sol,chen Gestalt beurtheilen: weil ihm die Zufälligkeit, mit