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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Zweyter Theil.

Weltursache (wenn es eine solche gab?) gemäß zu, seyn ur-theilen dürfen; und so ist ein reiner moralischer Grund derpractischen Vernunft vorhanden, diese Ursache (da es ohne. Widerspruch geschehen kann) anzunehmen, wo nicht mehr,doch damit wir jene Bestrebung, in ihren Wirkungen, nichtfür ganz eitel anzusehen und dadurch sie ermatten zu lassenGefahr laufen.

Mit diesem allen soll hier nur so viel gesagt werden:daß die Furcht zwar zuerst Götter (Dämonen), aber dieVernunft, vermittelst ihrer moralischen Principien, zuerstden Vcgrif von Gott habe hervorbringen können (auch selbst,wenn man in der Teleologie der Natur, wie gemeiniglich,sehr unwissend, oder auch, wegen der Schwierigkeit, dieeinander hierin widersprechenden Erscheinungen durch eingenugsam bewährtes Princip auszugleichen, sehr zweifelhaftwar); und daß die innere moralische Zweckbestimmung sei-nes Daseyns das ergänzte, was der Naturkenntniß abging,indem sie nehmlich anwies, zu dem Endzwecke vom Daseynaller Dinge, wozu das Princip nicht anders, als ethisch,der Vernunft genugthuend ist, die oberste Ursache mit Ei-genschaften, womit sie die ganze Natur jener einzigen Ab«sicht (zu der diese bloß Werkzeug lst) zu unterwerfen ver,mögend ist, (d. t. als eine Gottheit) zu denken.

§. 87-

Von dem moralischen Beweise des DaseynsGottes.

Es giebt eine physische Teleologie, welche ei-nen für unsere theoretisch reflectirende Urtheilskraft hin-reichenden Beweisgrund an die Hand giebt, das Da-