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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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436
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4?6 Zweyter Theil.

legt, gleichfalls nur practische Realität zu verschaffen,d. i. nur eine beabsichtete Wirkung als möglich denkenzu können. Immerhin mag jener Begrif für die speku-lative Vernunft überschwenglich seyn; auch mögen dieEigenschaften, die wir dem dadurch gedachten Wesenbeylegen, objectiv gebraucht, einen Anthropomorphismin sich verbergen: die Absicht ihres Gebrauchs ist auchnicht, seine für uns unerreichbare Natur, sondern unsselbst und unseren Willen, darnach bestimmen zu wollen.So wie wir eine Ursache nach dem Begriffe, den wirvon der Wirkung haben (aber nur in Ansehung ihrerRelation dieser) benennen, ohne darum die innere Be-schaffenheit derselben durch die Eigenschaften, die unsvon dergleichen Ursachen einzig und allein bekannt unddurch Erfahrung gegeben werden müssen, innerlich be-stimmen zu wollen; so wie wir z. B. der Seele unter an-dern auch eine vlin 1<?cc>inotiv-lin beylegen, weil wirk-lich Bewegungen des Körpers entspringen, deren Ur-sache in ihren Vorstellungen liegt, ohne ihr darumdie einzige Art, wie wir bewegende Kräfte kennen,(nehmlich durch Anziehung, Druck, Stoß, mithin Bewe-gung, welch? jederzeit ein ausgedehntes Wesen voraus-setzen) beylegen zu wollen: eben so werden wirEtwas, das den Grund der Möglichkeit und der pra-ktischen Realität, d. i. der Ausführbarkeit, eines noth-wendigen moralifchen Endzwecks enthält, annehme'müssen; dieses aber, nach Beschaffenheit der von ihm