Cvitik der theologischen Urtheilskraft. 471
tilslen Denker; und ein Reimarus In seinem noch nichtübcrtroffenen Werke, worin er diesen Beweisgrund mit derihm eigenen Gründlichkeil und Klarheit wcltlaufrig ausführt,hat sich dadurch ein unsterbliches Verdienst erworben. —Allein, wodurch gewinnt dieser Beweis so gewalligen Ein-fluß auf das Gemüth, vornehmlich in der Beurtheilung durchkalte Vernunft (denn die Rührung und Erhebung desselbendurch die Wunder der Natur könnte man zur Überredungrechnen), aus eine ruhige, sich gänzlich dahin gebende Bey«stimmung? Es sind nicht die physischen Zwecke, die alleauf einen unergründlichen Verstand in der Weltursache hin-deuten; denn diese sind dazu unzureichend, weil sie das Be-dürfniß der fragenden Vernunft nicht befriedigen. Dennwozu sind (fragt diese) alle jene künstliche Naturdinge; wo-zu der Mensch selbst, bei dem wir, als dem letzten für unsdenkbaren Zwecke der Natur, stehen bleiben müssen; wozu istdiese gesammte Natur da, und was ist 5er Endzweck so gro-ßer und mannichft.!iiger Kunst? Zum Genießen, oder zumAnschauen, Betrachten und Bewundern (ivelaies, wenn esdabey bleibt, auch nichts weiter als Genuß von besonde-rer Art sst), als dem letzten Endzweck warum die Welt undder Mensch selbst da ist, geschaffen zu seyn, kann die Ver-nunft nicht befriedigen; denn diese setzt einen persönlichenWerth, den der Mensch sich allein geben kann, als Bedin-gung, unter welcher allein er und sein Daseyn Endzweckseyn kann, voraus. Zn Ermangelung desselben (oer alleineines bestimmten Begrifs fähig ist) thun die Zwecke der Na-tur seiner Nachfrage nicht Genüge, vornehmlich, weil sie kei-nen Kcsriinmteir Begrif von dem höchsten Wesen als einemallgenugsamcn (und eben darum einigen, eigentlich so zunennenden höchst.n) Wesen, und den Gesetzen nach oenenein Verstand Ursache der Welt ist, an die Hand geben können.
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