!?6 Bischof Bossuets Einleitung
Jahre nach Patriarchate erhielten. In den Kirchenversammlun-^Ätt ^' 6^" ^"^^ Vorsitz eingeräumt. Unter die-
sen bischöflichen Sitzen aber wurde der römische im-mer, als der erste, angesehen, und die nicänische Ver-sammlung ordnete die andern nach diesem *. Eserschienen auf den Concilien auch die metropolitani-schen Bischöfe, oder die Bischöfe aus den Hauptstäd-ten, welche die Häupter der Provinzen waren, undvor den übrigen Bischöfen den Rang hatten. Mansing erst sehr spät an, sie Erzbischöfe zu nennen; abersie hatten darum nicht weniger Ansehen. Wenn eineKirchenversammlung eingerichtet war, so trug mandie heilige Schrift vor; man las die Stellen aus denalten Vätern, den Zeugen der Tradition ; die Tradi-tion war es, welche die Vibel auslegte. Mai«glaubte, ihr wahrer Verstand wäre derjenige, Überbeindie vergangnen Jahrhunderte einig geworden wären,und niemand glaubte, das Recht zu haben, die Schriftanders auszulegen. Diejenigen, welche sich den Aus-fprüchen der Kirchenversammlung nicht unterwerfenwollten, wurden in den Bann gethan. Nachdemman den Glauben erklärt hatte, so richtete man dieKirchenzucht ein, und setzte gewisse Canones, oderVerordnungen der Kirche, auf. Man glaubte, daßder Glaube immer ebenderselbe bliebe, und daß mautrachten müßte, in der Kirchenzucht der ersten christli-chen Kirche so vollkommen nachzuahmen, als mög-lich wäre, ob es gleich nothwendig werden könnte,nach den Zeiten und Oertern einige Aenderungendarinnen zu treffen. Im übrigen waren diePäbste bey den ersten allgemeinen Kirchenversamm-lungen nicht anders, als in ihren Legaten, gegenwar-
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* Lonc. Nic. c. 6.