Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

,86 Bischof Bossuets Einleitung

nicht begreifen können, daß die Materie, wenn sisvon sich selbst vorhanden wäre>, ihre Vollkommenheitvon keiner fremden Hand erwarten dürfte, und daßGott , wenn er unendlich und vollkommen ist, weiternichts, als sich selbst, und seinen allmächtigen Willenbraucht, alles, was er mir will, hervorzubringen.Allein der Gott unsrer Vater, der Gott Abrahams ,der Gott, dessen Wunder Moses uns beschrieben hak,hat nicht allein die Welt in Ordnung gebracht, sonderuer hat sie ganz, mit ihrem Stoffe sowohl, als mit ihrerBildung, erschaffen. Ehe er befahl, daß etwas seynsollte, so hatte nichts das Daseyn, als er. Er wirduns, als derjenige, vorgestellt, der alles erschafft, undder alles durch sein Wort erschafft, weil er alles, theilsmit Verstände, theils ohne Mühe, hervorbringt; weiles ihm nur ein einziges Wort kostet, so große Werkehervorzubringen, das ist, weil er nichts thun, als nurwollen darf.

Wir wollen nunmehr die Geschichte der Schöpfungdurchgehen, weil wir angefangen haben, sie zu betrach-ten. Moses hat uns gelehrt, daß dieser mächtigeBaumeister, dem alle Dinge so wenig kosten, sie nichtauf einmal, sondern nach und nach, hervorbringen, unddas ganze Weltgebäude in sechsTagen erschaffen wollen,dadurch anzuzeigen, daß er nicht nach einer Nothwen-digkeit, oder nach einen: blinden ungestümen Einfalle,handle, wie sich einige Philosophen eingebildet haben.Die Sonne wirft aufeinmal alle ihre Stralen von sich,ohne sich zurück zu halten; allein Gott, der mit Ver-stände und mit einer unumschränkten Freyheit handelt,öusiert seine Kraft, wo "er will, und so sehr, als es ihm ge-fällt. Da er die Welt durch sein Wort hervorbringt,so zeigt er, daß ihm nichts Mühe macht; da er sie