l9o Bischof Bossuets EinleitUllg
Das ist in der ganzen Sprache der heiligen Schriftetwas unerhörtes, daß ein andrer, als Gott selbst,in der mehrern Zahl von sich selbst gesprochen habensollte: L.aßc uns machen. Gott selbst redet in derheiligen Schrift nur zweymal oder dreymal also, unddiese außerordentliche Sprache äußert sich da zuerst,da der Mensch geschaffen werden soll.
Wenn Gott die Sprache und einigermaßen seinBezeigen ändert, so geschieht es nicht darum, weilsich Gott selbst verändern sollte. Allein er zeigt unsnur damit, daß er nach seinen ewigen Rathschlüssel!eine neue Ordnung der Dinge ansangen will.
So wird also der Mensch, der über die andernCreaturcn so sehr erhoben ist, deren Schöpfung unsMoses beschrieben hatte, auf eine ganz neue Art her-vorgebracht. Die Dreyeinigkeit fängt an, sich zuoffenbaren, indem sie die vernünftige Creatur er-schafft, deren Wirkungen des Verstandes ein unvoll-kommnes Bild von den ewigen Wirkungen Gottesfind, von welchen er in sich selbst fruchtbar ist.. Gott scheint mit sich selbst einen Rath M halten,um dadurch anzuzeigen, daß die Creatur, die er er-schaffen will, mit Verstände lind Ucberlegung handelnsoll. Alles übrige ist nicht weniger außerordentlich.Bis Hieher haben wir in der Geschichte des erstenBuches Mosis nicht gesehen, daß Gott seine Handan eine vergängliche Materie gelegt hat. Aber,da er den menschlichen Körper bilden will, so nimmter selbst Erde, und diese Erde, welche von einer sol-chen Hand gebildet wird, empfängt die schönste Ge-stalt, die noch zeithcr in der Welt erschienen ist.
Diese besondere Aufmerksamkeit Gottes bey derSchöpfung des Menschen zeigt uns, daß er beson-ders