!92 Bischof Bossuets Einleitung
Hildes glückselig werden kann, muß durch eine neueSchöpfung hervorgebracht werden. Sie muß vonoben her kommen, und dieses zeigt der lebendige Odeman, der aus dem Munde Gottes kömmt.
Wir wollen uns erinnern, daß Moses den fleisch-lichen Menschen durch sinnliche Bilder reine undgeist.liche Wahrheiten vorstellt. Wir wollen nicht glau-ben, daß Gott , wie die Thiere, Odem hole und vonsich hauche. Wir wollen nicht glauben, daß unsreSeele eine feine Luft, oder ein verdünnter Dunst sey»Der Hauch, den Gott, mit seinem Ebenbilde zugleich,dem Menschen einblast, ist weder Luft noch Dunst.Eben sowenig wollen wir glauben, daß unsre Seeleein Theilchen von dem Wesen Gottes sey, wie einigePhilosophen geträumt haben. Gott ist nicht einGanzes, welches Theile hat, und wenn Gott Theilehatte, so waren es keine erschaffnen Theile. Dennder Schöpfer, dieses unerschaffne Wesen, kann nichtaus Creaturen zusammengesetzt seyn. Die Seele desMenschen ist erschaffen, und zwar so, daß sie nichtsvon der göttlichen Natur, sondern nur ein Ding ist,das Gott nach seinem Bilde hervorgebrachthat. Sieist ein Wesen, das beständig mit dem vereinigt blei-ben soll, der dasselbe erschafft; dieses will der leben-dige Odem Gottes sagen; das stellt uns dieser Hauchdes Lebens vor.
Nunmehr ist also der Mensch erschaffen. Gott erschafft auch noch die Gehülfinn, die er dem Menschengeben will. Alle Menschen kommen aus einer Eheher, damit sie auf ewig eine Familie seyn sollten, sosehr sie sich auch vermehren, und so sehr sie immerzerstreut werden möchten»
Nach-