Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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196
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196 Bischof Bossuets Einleitung

Sünde hat ein neues Geschöpf hervorgebracht, wel-ches verborgen werden muß. Der Mensch kannseine Schande nicht mehr ertragen, und wollte sie gernvor seinen eignen Augen verbergen. Allein Gott wird ihm noch unerträglicher. Diesem großen Gott,welcher.ihn nach seinem Bilde gemacht, und ihm dieSinne gegeben hatte, daß sie seinem Geiste zu Hülsekommen sollten, gefiel es, sich dem Menschen in einersinnlichen Gestalt zu zei-en. Der Mensch kannseine Gegenwart nicht m.hr ertragen. Er verbirgti V>M.Z/8. sich unter die Baume im Gaten, um sich dem An-gesichts desjenigen zu entziehen / der vorher sein Glückwar. Sein Gewissen klagt ihn an, ehe Gott nochredet. Er will sich entschuldigen, und seine unglück-lichen Entschuldigungen verdammen ihn selbst. Ermuß sterben, das Mittel zur Unsterblichkeit ist ihmgenommen, und ein weit schrecklicherer Tod, als derzeitliche, der Tod der Seele, wird ihm durch denvorgebildet, zu welchem sein Körper verdammtwird.

Das Urtheil, das über ihn ausgesprochen wird,geht auch uns an. Gott , der beschlossen hatte, seinenGehorsam in seiner ganzen Nachkommenschaft zubelohnen, verdammt und straft ihn, so bald er sichempört hatte, aber nicht allein in seiner Person, son-dern auch in allen seinen Kindern, als dem empfind-lichsten und geliebteiren Theile seiner selbst. Wirfind alle in unserm Ursprünge verflucht; wir sind aussündlichem Samen erzeugt, und in unsrer Quelle an-gesteckt und verderbt worden.

Laßt uns hier nicht die schrecklichen Regeln dergöttlichen Gerechtigkeit untersuchen, nach welchenGott das menschliche Geschlecht in ihrem Ursprünge' - ver-