198 Bischof Bossuets Einleitung
in dem allein Adam nicht gesündigt hatte, weil ervom Adam auf eine göttliche Art herkommen, abernicht von einem Menschen erzeugt, sondern vom hei-ligen Geiste empfangen werden sollte.
Allein, eh uns Gott diesen Erlöser gab, so mußtedas menschliche Geschlecht durch eine lange Erfah-rung einsehen lernen, wie nöthig die Menschen einen sol-chen Beystand hatten. Der Mensch wurde also sichselbst überlassen; seine Neigungen wurden verdorben,seine Missethaten waren die entseßlichsten Ausschwei-fungen , und die Bosheit bedeckte die ganze Erde.
Zu der Zeit beschloß Gott die Ausführung einerRache, deren Andenken niemals unter den Menschenvergehen sollte. Dieses war die allgemeine Sund-siuth, von welcher das Andenken, mit dem Andenkender Verbrechen, die sie der Welt zugezogen haben,noch unter allen Nationen vorhanden ist.
Die Menschen mögen also nicht glauben, daß dieWelt durch sich selbst bestehe, und das, was einmalist, immer eben so seyn werde. Gott , der alles ge-macht hat, und durch den alles besteht, will alleThiere mit allen Menschen ersäufen, und den schön-sten Theil seiner Werke zernichten.
Dennoch fand sich unter den Menschen noch einGerechter. Gott hatte ihn durch seine Gnade vomStrome der Bosheit nicht hinreißen lassen, ehe erihn in der Sündfluth retten wollte. Seine Familiewurde zur Wiederbevölkerung der Erde erhalten, wel-che bald eine schreckliche Wüste werden sollte. Gott erhielt durch die Sorgfalt dieses gerechten Mannesdie Thiere, damit der Mensch lernen sollte, daß siefür ihn erschaffen, und seiner Herrschaft von demSchöpfer unterwürfig gemacht worden waren.
Die