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22O Bischof Bossuets Einleitung
Opfer waren, zu den Zeiten Mosis sehr gemein, undmachten nur einen Theil dieser schrecklichen Missetha-ten der Amoriter aus, deren Rache Gott den Israeli»ten übergab.
Allein sie waren diesen Völkern nicht allein eigenMan weis, daß alle Völker auf der Welt, kein einzi-ges ausgenommen, die Menschen ^ ihres gleichen, ge-opfert haben, und es ist auf der Welt kein Ort zu fin-den, wo man nicht die traurigen und schrecklichenGottheiten angebetet hat, deren unversöhnlicher Haßgegen das menschliche Geschlecht solche Opfer verlangte.
Mitten in dieser Unwissenheit gieng der Mensch soweit, daß er selbst das Werk seiner Hände anbetete.Er bildete sich ein, daß er den Geist der Gottheit inBildseulen einschlicssen könnte, und vergaß es so sehr,daß ihn Gott erschaffen hatte, daß er glaubte, er könn-te auch wohl einen Gott machen. Wer sollte es glau-ben, wenn uns die Erfahrung nicht überführte, daßein so thörichter und viehischer Irrthum nicht alleinder allergemeinste, sondern auch am tiefsten eingewur-zelt und am schwersten zu verbesseru gewesen ist?Man muß also aus dieser Verwirrung und Verfin-stersng des menschlichen Geschlechtes erkennen, daßdie vornehmste Wahrheit, welche die ganze Welt pre-digt, und deren Eindruck der stärkste ist, aus den Au-gen der Menschen weit entfernt war. Obgleich diemündliche Sage, die diese Wahrheit in ihren Gemü-thern erhielt , klar und offenbar genug war, wenn manhätte darauf achten wollen, so näherte sie sich dennochder völligen Vergessenheit. Wunderbare Fabeln, dieso voll Gottlosigkeit, als voll Ausschweifung waren,
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» Hsroä. II. c-le5 äs bell. ZaII. Ud. VI. vloäor-lid. I, V. ?I!n. libr XXX. ^tlien. lid. XIII, kor^Kyr-Ze abtt. Üb. II. Zorn, äs rebus Lecic. etc.